Wenn die Seele über den Körper spricht. Die „Holy Seven“ nach Franz Alexander und wie Pferde therapeutisch eingesetzt werden können
- madlenriera
- vor 5 Tagen
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Manchmal zeigt uns der Körper Dinge, die wir viel zu lange ignoriert haben:
Stress. Überforderung. Daueranspannung. Emotionen, die keinen Platz bekommen. Menschen funktionieren oft über Jahre hinweg bis irgendwann der Körper beginnt, mitzureden.
Magenschmerzen. Atemprobleme. Hauterkrankungen. Bluthochdruck. Chronische Entzündungen.
Der Psychoanalytiker Franz Alexander beschäftigte sich schon früh mit genau diesem Zusammenhang zwischen Psyche und Körper. Er prägte den Begriff der sogenannten „Holy Seven“ – sieben Erkrankungen, bei denen seelische Belastungen eine wichtige Rolle spielen können.
Heute wissen wir zwar, dass Krankheiten nie nur psychisch entstehen. Medizinische, genetische und körperliche Faktoren gehören selbstverständlich immer dazu.
Aber wir wissen eben auch: Körper und Geist sind eine Einheit.
Und genau deshalb suchen immer mehr Menschen nach Therapieformen, die nicht nur Symptome behandeln, sondern den Menschen als Ganzes betrachten.
Eine dieser Methoden ist die pferdegestützte Therapie und das pferdegestützte Coaching.
(Und ehrlich gesagt: Wer einmal erlebt hat, wie fein Pferde auf Menschen reagieren, versteht ziemlich schnell, warum diese Arbeit so tief gehen kann.)
Warum ausgerechnet Pferde?
Warum keine Hunde? Warum keine klassische Gesprächstherapie? Warum überhaupt Tiere?
Die Antwort ist eigentlich ziemlich einfach: Pferde reagieren unglaublich ehrlich.
Ein Pferd interessiert sich nicht dafür, wie erfolgreich jemand ist, welche Rolle er im Alltag hat oder wie gut jemand seine Gefühle verstecken kann.
Es reagiert auf Spannung. Auf Unsicherheit. Auf innere Ruhe. Auf Angst. Auf Klarheit.
Viele Menschen merken im Alltag gar nicht mehr, wie angespannt sie eigentlich permanent sind. Sie funktionieren einfach weiter.
Ein Pferd macht diesen Zustand sichtbar.
Und zwar nicht bewertend oder hart – sondern unmittelbar.
Das kann manchmal überraschend emotional sein.
Die „Holy Seven“ – wenn psychischer Druck körperlich spürbar wird
Zu den sogenannten „Holy Seven“ gehören:
Magengeschwür
Asthma bronchiale
Bluthochdruck
Neurodermitis
Rheumatoide Arthritis
Colitis ulcerosa
Schilddrüsenüberfunktion
Auch wenn die Theorie heute differenzierter betrachtet wird, bleibt die Grundidee hochaktuell:
Seelischer Stress wirkt auf den Körper.
Und genau hier kann pferdegestützte Therapie unglaublich wertvoll sein.
Nicht als Wunderheilung. Nicht als Ersatz für Medizin. Sondern als echte Unterstützung.
Magengeschwür: Wenn Stress „auf den Magen schlägt“
Viele Menschen mit Magenproblemen tragen enorm viel Druck in sich.
Sie wollen stark sein. Alles schaffen. Niemanden enttäuschen. Konflikte vermeiden.
Im Coaching mit Pferden zeigt sich genau das oft sehr schnell.
Menschen versuchen dann häufig, das Pferd zu kontrollieren oder „perfekt“ zu führen. Doch Pferde reagieren auf innere Anspannung oft mit Unruhe oder Rückzug.
Und genau darin liegt etwas unglaublich Wertvolles: Das Pferd macht sichtbar, was im Inneren passiert.
In der Therapie arbeitet man hier viel mit Ruhe, Atmung und Körperspannung.
Zum Beispiel:
langsames Führen
bewusstes Atmen
achtsame Bewegungen
klare, ruhige Kommunikation
Viele Menschen spüren dabei zum ersten Mal seit Langem, wie erschöpft ihr Nervensystem eigentlich ist.
Asthma: Wenn Enge nicht nur körperlich ist
Menschen mit Asthma beschreiben oft nicht nur körperliche Atemprobleme, sondern auch innere Anspannung oder das Gefühl, ständig unter Druck zu stehen.
Die Arbeit mit Pferden kann hier unglaublich beruhigend wirken.
Vor allem die gleichmäßige Bewegung beim geführten Reiten oder ruhige Bodenarbeit helfen vielen Menschen dabei, wieder bewusster zu atmen.
Und manchmal passiert etwas sehr Schönes: Menschen merken plötzlich, dass sie loslassen dürfen. Dass sie nicht permanent kämpfen müssen.
Natürlich ersetzt das keine medizinische Behandlung. Und das sollte auch niemand behaupten. Aber viele erleben durch die Pferdearbeit mehr Ruhe, Vertrauen und Sicherheit im eigenen Körper.
Bluthochdruck: Wenn Menschen nie abschalten
Gerade leistungsorientierte Menschen profitieren oft enorm von der Arbeit mit Pferden.
Warum?
Weil Pferde sich nicht beeindrucken lassen.
Sie reagieren nicht auf Kontrolle oder Perfektionismus. Sie reagieren auf echte Präsenz.
Viele Menschen merken erst im Kontakt mit dem Pferd, wie hektisch sie innerlich eigentlich sind.
Deshalb arbeitet man häufig mit:
Achtsamkeit
bewusst langsamen Bewegungen
Körpersprache
Stresswahrnehmung
innerer Ruhe
Und genau das ist für viele zunächst ungewohnt.
Aber oft auch unglaublich befreiend.
Neurodermitis: Wenn die Haut auf Stress reagiert
Die Haut ist sensibel. Sie reagiert auf Belastung oft schneller, als Menschen es wahrhaben wollen.
In der pferdegestützten Therapie geht es hier viel um Sicherheit und Nervensystemregulation.
Das klingt erstmal technisch bedeutet aber eigentlich etwas sehr Menschliches:
Zur Ruhe kommen.
Das Putzen eines Pferdes, das ruhige Zusammensein oder der Fellkontakt wirken auf viele Menschen erstaunlich beruhigend.
Nicht spektakulär. Nicht laut. Sondern ruhig, warm und stabilisierend.
Gerade Menschen, die sich dauerhaft angespannt fühlen, erleben das oft als unglaublich wohltuend.
Rheumatoide Arthritis: Wenn Menschen ständig stark sein müssen
Viele Betroffene beschreiben sich selbst als pflichtbewusst, kontrolliert und leistungsorientiert.
Pferde reagieren allerdings oft besser auf Vertrauen als auf Druck.
Und genau das wird therapeutisch genutzt.
Beim Führen eines Pferdes merken viele Menschen plötzlich: Nicht Kontrolle bringt Verbindung sondern Klarheit und Ruhe.
Das kann eine sehr emotionale Erfahrung sein. Denn viele Menschen tragen jahrelang die Überzeugung in sich, immer funktionieren zu müssen.
Colitis ulcerosa: Sicherheit statt Daueranspannung
Chronische Darmerkrankungen stehen häufig in engem Zusammenhang mit Stress.
Viele Betroffene leben dauerhaft in Alarmbereitschaft.
Pferde können hier etwas vermitteln, das im Alltag oft verloren gegangen ist: Ruhe. Rhythmus. Verlässlichkeit.
Allein schon der Kontakt zum Pferd und die nachweislich regulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem kann eine enorme Wirkung haben.
Schilddrüsenüberfunktion: Wenn Menschen „Immer weiter“ wollen
Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion beschreiben oft innere Rastlosigkeit.
Das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen.
Pferde holen Menschen erstaunlich schnell aus diesem Zustand heraus.
Denn ein Pferd verlangt Präsenz. Ruhe. Klarheit.
Wer hektisch ist, bekommt sofort Feedback.
Deshalb arbeitet man hier viel mit:
Entschleunigung
bewusster Bewegung
Atmung
Körpersprache
Achtsamkeit
Viele erleben dabei zum ersten Mal seit Langem wieder echten Kontakt zum eigenen Körper.
Aber: Pferdegestützte Therapie ist keine Magie
Und genau das sollte man ehrlich sagen.
Pferdegestützte Therapie ist keine Wunderheilung. Sie ersetzt keine Medizin. Und sie ist nicht für jeden Menschen passend.
Aber sie hat eine wunderbare Stärke: Sie erreicht Menschen auf einer (anderen) Ebene, die über Worte hinausgeht.
Fazit
Die Theorie der „Holy Seven“ von Franz Alexander erinnert uns daran, wie eng Körper und Seele miteinander verbunden sind.
Pferdegestützte Therapie kann dabei helfen,
Stress bewusster wahrzunehmen
emotionale Muster zu erkennen
innere Ruhe zu entwickeln
wieder mehr Verbindung zum eigenen Körper aufzubauen
Und wie so oft beginnt Veränderung genau in diesen kleinen Momenten. In der stillen Begegnung mit einem Pferd, das ehrlich auf das reagiert, was ein Mensch wirklich fühlt.



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